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Autor: Sven Montanus Datum: 09.01.2026 Lesezeit: 6 min |
In vielen Marketing-Teams gibt es diesen Moment: Ein Beitrag erzielt außergewöhnliche Reichweite, sorgt für Begeisterung und wird als Erfolg gefeiert. Doch im Vertrieb bleibt es still und im CRM ändert sich wenig.
Diese Situation ist kein Zufall. Sie zeigt ein Missverständnis, das im B2B weit verbreitet ist: Reichweite schafft Aufmerksamkeit, aber nicht automatisch Orientierung. Und ohne Orientierung bleibt jede Kaufentscheidung fragil. In Gesprächen mit Marketing- und Vertriebsverantwortlichen zeigt sich, dass virale Inhalte zwar Energie entfalten, aber selten Wirkung. Unternehmen, die nachhaltig wachsen, richten ihren Fokus deshalb nicht auf einzelne Peaks, sondern auf konsistente Systeme: Inhalte, die über Monate hinweg Ankerpunkte schaffen, Wiedererkennbarkeit erzeugen und Entscheidungsprozesse begleiten.
Konsistenz ist nicht das Gegenteil von Kreativität. Sie ist die Grundlage dafür, dass Kreativität wirken kann.
Virale Inhalte beruhen auf Mechaniken, die primär auf Überraschung, Emotionalisierung oder soziale Dynamik ausgelegt sind. In B2B-Kontexten führt dies zu einer systematischen Entkopplung zwischen Aufmerksamkeit und Relevanz. Die Menschen, die Kaufentscheidungen tatsächlich beeinflussen, sind nicht dieselben, die spontane Social-Media-Impulse belohnen. Buying Committees reagieren auf Klarheit, Orientierung und fachliche Tiefe – nicht auf Impulse, die breite Zielgruppen adressieren.
Damit entsteht ein erstes strukturelles Problem: Virale Inhalte erreichen häufig viele, aber selten die richtigen Menschen. Sie schaffen Sichtbarkeit, aber keine Positionierung. Ein zweites Problem ergibt sich aus der Natur der Viralität selbst. Sie ist episodisch und kaum reproduzierbar. Unternehmen, die sich darauf verlassen, sind stärker vom Zufall abhängig als von ihrem eigenen System. Botschaften bleiben punktuell, Erzählräume fragmentiert.
Schließlich gibt es eine wirtschaftliche Ebene. McKinsey zeigt, dass die negativen Auswirkungen von Churn doppelt so stark auf Wachstum wirken wie Investitionen in Neukundengewinnung.⁴ Dennoch richten sich die meisten viralen Inhalte primär an neue Kontakte, während bestehende Kundenbeziehungen, die im B2B den Großteil des Umsatzes tragen, kaum berücksichtigt werden. Damit investieren Unternehmen in kurzlebige Effekte statt in dauerhafte Bindung.
Unternehmen, die kontinuierlich hochwertige Inhalte publizieren, entwickeln eine Form der thematischen Autorität, die sich nicht kurzfristig erzeugen lässt. Wiederholung baut Vertrauen auf, gerade in Märkten, in denen Entscheidungen komplex sind und mehrere Stakeholder einbezogen werden müssen.
Konsistente Content-Systeme wirken über mehrere Dimensionen:
Mit zunehmender Verfügbarkeit KI-generierter Inhalte steigt der Wert einer klaren Haltung. Wenn generischer Output ubiquitär wird, wird Substanz zur Differenzierung. Thought Leadership entsteht nicht aus Quantität, sondern aus Präzision – aus der Fähigkeit eines Unternehmens, Entwicklungen einzuordnen, Perspektiven zu formulieren und den Entscheidungsraum seiner Zielgruppe zu strukturieren.
Ein konsistentes Content-System bietet dafür die notwendige Infrastruktur. Es schafft Kontexte, in denen einzelne Inhalte wirken können. Es ordnet Themen, legt Narrative fest und sorgt dafür, dass Inhalte nicht episodenhaft, sondern kumulativ wahrgenommen werden. Wer verstehen möchte, wie Inhalte Entscheidungen im Unternehmen beeinflussen, sollte einen Blick auf die Sprache des CFO werfen – und darauf, warum Marketing die ökonomische Logik von Pipeline-Metriken erklären können muss.
Acht Länder, acht unterschiedliche Marketing-Prozesse – vor dieser Situation steht Manpower. Die Folge: Uneinigkeit darüber, welche Leads Priorität haben, sowie erschwertes Benchmarking und Austausch über Best Practices.
Um internationale Vergleichbarkeit zu schaffen und Lernprozesse im Unternehmen anzuregen, will das nordeuropäische Marketing-Team um Projektleiterin Tina Hingston ein länderübergreifend konsistentes Lead Scoring und Reporting einführen. Dafür holt sie sich Unterstützung des Strategiepartners andweekly.
Von der herausfordernden und zeitaufwendigen Rekrutierung geeigneter Fachkräfte sind Unternehmen in vielen Branchen und Regionen betroffen. Das Ziel von Manpower ist es, dem Personalmangel weltweit mit innovativen Lösungen zu begegnen. Die ManpowerGroup mit Hauptsitz in den USA und Niederlassungen in rund 80 Ländern zählt zu den weltweit führenden Unternehmen in der Personalbranche.
Kerngeschäft ist die Vermittlung von Fachkräften aus zahlreichen Branchen an Unternehmen, die sich nicht mit zeitaufwendigen Rekrutierungsprozessen beschäftigen wollen. Darüber hinaus hilft Manpower, kurzfristige Personalengpässe zu überbrücken und Produktionsspitzen mit geeigneten Human Resources auf Zeit abzufedern. Zum Unternehmen gehören zahlreiche Tochterunternehmen – darunter auch der IT-Dienstleister Experis, den wir bereits bei seiner Marketing-Strategie unterstützt haben.

Die ManpowerGroup unterhält in jedem Land ein eigenes Marketing-Team, das individuelle Ansätze im Online-Marketing verfolgt. Zwar wurde HubSpot als All-in-one-Plattform für Marketing in den meisten Landesgesellschaften etabliert, doch das HubSpot-Knowhow und der hinterlegte Lead-Management-Prozess sind sehr unterschiedlich.
Das Problem bei Manpower: Die uneinheitlichen Marketing-Prozesse der Landesgesellschaften führen zu inkonsistenter Lead-Qualifizierung: Ein Lead, der in einer Landesgesellschaft als Sales Ready eingestuft wird, kann in einer anderen als Marketing Qualified Lead (MQL) eingestuft werden.
Daraus ergeben sich für Manpower folgende Herausforderungen:
Mangelnde Vergleichbarkeit. Unterschiedliche Definitionen und Prozesse machen es schwierig, die Leistung und Effektivität von Marketing-Aktivitäten zwischen verschiedenen Landesgesellschaften zu vergleichen. Ohne einheitliche Standards können sie Best Practices nicht identifizieren und erfolgreiche Strategien kaum replizieren.
Schwierigkeiten bei Zusammenarbeit und Kommunikation. Inkonsistente Definitionen führen immer wieder zu Missverständnissen und Fehlkommunikation zwischen Marketing- und Vertriebsteams, insbesondere wenn diese länderübergreifend zusammenarbeiten.
Verpasste Verkaufschancen. Unterschiedliche und nicht immer optimale Definitionen von MQLs und SQLs bewirken, dass Mitarbeitende bestimmte Leads unter- oder überschätzen. Falsche Prioritäten in der Lead-Bearbeitung kosten wiederum wertvolle Ressourcen.
Standardisierung der Marketing-Automatisierungsprozesse für eine nahtlose Customer Journey in den verschiedenen Manpower-Landesgesellschaften
Entwicklung homogener Dashboards auf globaler Ebene zur einheitlichen Erfassung, Analyse und Vergleich der Performances von Marketing-Kampagnen
Optimierung der CRM-Strategie durch Implementierung von Best Practices für Lead-Erfassung, -Qualifizierung, -Scoring und Reporting mithilfe des HubSpot Marketing Hub
Erzielung von Effizienzgewinnen durch Reduzierung von Inkonsistenzen zwischen den Landesgesellschaften
Erhöhung der Transparenz zwischen den Landesgesellschaften hinsichtlich Lead-Generierung, Lead-Qualität und Marketing-Performance zur Verbesserung der Entscheidungsfindung und Performance
Die stärksten Effekte entstehen, wenn Content nicht als Kampagne gedacht wird, sondern als Mechanismus. Bain zeigt, dass wachstumsstarke Unternehmen im B2B Inhalte nicht punktuell, sondern systematisch einsetzen.² Diese Unternehmen entwickeln Strukturen, die Wiederholung und Tiefe ermöglichen. Sie denken nicht in Content-Stücken, sondern in Entscheidungsarchitekturen.
Ein Content-System wirkt entlang des gesamten Growth Circle: von der ersten Orientierung über die Pipeline-Entwicklung bis zur Loyalität. Dieses Modell zeigt deutlich, dass Inhalte nicht für eine Phase optimiert werden können, sondern über den gesamten Lebenszyklus hinweg wirken müssen.
Für Teams, die dieses Prinzip vertiefen möchten, lohnt ein Blick auf unser Modell des Growth Circle.
Systeme bieten einige Vorteile:
Ein systematisches Content-Framework ist zudem die Grundlage für nachhaltige Sichtbarkeit in SEO, AEO und GEO. Topical Authority entsteht nicht durch einzelne Impulse, sondern durch langfristige Abdeckung eines Themenfeldes.
Wer tiefer verstehen will, wie Content-Strategie sich verändert, wenn Suchmaschinen und KI-Modelle Inhalte zunehmend über semantische Qualität bewerten, findet Orientierung in unserem Beitrag zur Content-Strategie im AEO/GEO-Zeitalter.
Unternehmen, die Content ausschließlich als taktisches Instrument nutzen, erzeugen Aktivität, aber keine Wirkung. Systeme erzeugen Substanz. Sie schaffen einen Rahmen, in dem Inhalte einander stärken und Entscheidungen beeinflussen können.
Der ROI wird nicht über Social-Media-Kennzahlen sichtbar, sondern über Pipeline-Metriken: den Beitrag zu Opportunities, Conversion-Raten, Deal-Größen und die Geschwindigkeit von Entscheidungen. Attribution-Modelle und Touchpoint-Analysen zeigen deutlich, welche Inhalte Entscheidungen vorbereiten. Viralität erzeugt Sichtbarkeit, aber keine Entscheidungsqualität. Langfristige Systeme liefern Argumentationslinien, die CFO-kompatibel sind und die wirtschaftliche Wirkung von Content erklären können.
Realistisch entstehen erste Effekte nach drei bis vier Monaten, wenn Themenstruktur und Wiederholung greifen. Nach sechs bis neun Monaten werden klare Pipeline-Impulse sichtbar. Nach zwölf bis achtzehn Monaten entfaltet ein System vollständige Wirkung, weil mehrere Ebenen – SEO/AEO, Wiedererkennung, Vertriebsintegration und Substanz – zusammenwirken.
Durch klare Themenfelder, konsistente Perspektiven und Inhalte, die genuine Probleme bearbeiten. Entscheider:innen suchen Orientierung, nicht Unterhaltung. Inhalte sollten daher tiefer, präziser und relevanter sein als das, was virale Mechaniken belohnen. Wiederholung und Klarheit sind entscheidender als Reichweite.
Thought Leadership wird wichtiger, weil KI generischen Content mühelos repliziert. Entscheider:innen differenzieren Anbieter anhand klarer Standpunkte, fachlicher Tiefe und der Fähigkeit, Entwicklungen einzuordnen. Haltung ersetzt Geschwindigkeit. Substanz ersetzt Volumen.
Indem Inhalte entlang der Buying Journey strukturiert werden, Risiken adressieren, typische Fragen antizipieren und argumentative Leitplanken bieten. Sales profitiert von klaren Narrativen, die im Content verankert sind. Gemeinsame KPIs, Feedback-Schleifen und thematische Prioritäten schaffen eine Grundlage, auf der beide Funktionen zusammenarbeiten.
Wirkung entsteht nicht durch einzelne Peaks, sondern durch wiederholte, in sich konsistente Impulse. Unternehmen, die Content als Infrastruktur begreifen, entwickeln Orientierungspunkte, die Buying Committees in allen Phasen nutzen. Virale Inhalte erzeugen Energie, aber sie bauen keine Autorität auf. Systeme hingegen schaffen Wiedererkennbarkeit, Verlässlichkeit und eine narrative Grundlage, die Entscheidungen erleichtert. Wer die eigene Content-Strategie weiterentwickelt, sollte sich weniger fragen, ob ein Post viral geht, sondern ob das System, in dem dieser Post wirkt, stark genug ist, um Entscheidungen zu unterstützen.
Unternehmen, die diese Perspektive einnehmen, entwickeln keine Kampagnen. Sie entwickeln Mechanismen.
¹ Salesforce (2025): B2B Content Marketing Best Practices
² Bain & Company (2025): The B2B Growth Divide: What Sets Winners Apart
³ Gartner Digital Markets (2025): The Adaptability Era: 3 Marketing Trends Reshaping B2B Growth
⁴ McKinsey & Company (2025): Growth amid uncertainty: Jump-starting B2B sales performance