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Autor: Raul Sfat Datum: 20.01.2026 Lesezeit: 7 min |
B2B-Unternehmen investieren in immer mehr Tools. Die Pipeline stagniert trotzdem. GTM Engineering liefert das fehlende Bindeglied: ein System, das Technologie intelligent orchestriert.
Die meisten B2B-Marketing-Teams haben Zugang zu mehr Werkzeugen als je zuvor: HubSpot, LinkedIn Sales Navigator, KI-Assistenten, Datenanbieter. Dennoch wächst der Druck, den ROI nachzuweisen. Das Paradox? Mehr Tools führen nicht automatisch zu mehr Pipeline. Laut McKinsey implementieren erst 42 % der B2B-Entscheider GenAI-Use-Cases für Vertrieb und Marketing – obwohl Umsatzsteigerungen von 10–20 % nachgewiesen sind.¹
Das Problem liegt nicht in den einzelnen Werkzeugen. Es liegt in der fehlenden Systemarchitektur. BCG identifiziert den Shift von KI als „Prediction Engine" hin zur „Execution Engine" als entscheidenden Wendepunkt für Revenue Operations.² Unternehmen, die GenAI nicht nur zur Vorhersage nutzen, sondern zur Ausführung, verkürzen Deal-Cycles und verbessern Entscheidungen messbar.
Effektives GTM Engineering basiert dabei auf drei Ebenen, die zusammen gedacht werden müssen: Daten, Strategie und Infrastruktur. Daten liefern die Entscheidungsgrundlage, Strategie gibt die Richtung vor, Infrastruktur sorgt für skalierbare Ausführung. Erst ihr Zusammenspiel macht aus Tools ein funktionierendes Revenue-System.
Für Entscheider bedeutet das: Die GTM-Performance eines Unternehmens ist keine operative Optimierungsfrage mehr. Sie ist eine Architektur- und Führungsentscheidung mit direktem Einfluss auf Pipeline, Forecast und Skalierbarkeit.
Dieser Artikel liefert keine Tool-Liste. Er liefert das Architektur-Verständnis, das Marketingverantwortliche und Vertriebsleiter brauchen, um ihren Tech-Stack vom Kostenfaktor zum Revenue-Treiber zu machen. Der Fokus liegt auf Pipeline und Umsatz statt auf Vanity-Metriken – ein Prinzip, das den gesamten GTM-Ansatz prägen sollte.
GTM Engineering bezeichnet eine interdisziplinäre Funktion: Daten, Automatisierung und Technologie werden zu einem reproduzierbaren Go-to-Market-System verbunden. Der entscheidende Unterschied zu Marketing Operations? Marketing Ops optimiert bestehende Prozesse innerhalb definierter Tools. GTM Engineering designt das System selbst.
Clay beschreibt die Rolle prägnant: GTM Engineers verstehen, wie Datenflüsse, Trigger und Automatisierungen ineinandergreifen.³ Die Kernkompetenz ist „Systems Thinking“ statt isolierter Tool-Expertise. Marketing Ops fragt: „Wie verbessern wir diese E-Mail-Sequenz?“ GTM Engineering fragt: „Wie bauen wir ein System, das automatisch die richtigen Accounts identifiziert, anreichert und zum richtigen Zeitpunkt mit relevantem Content anspricht?“
Der lineare Funnel weicht zunehmend der Customer Journey Orchestration. GTM Engineering ist die methodische Antwort darauf. Es institutionalisiert die Integration zwischen Marketing, Sales und Bestandskundenbetreuung technisch – und macht sie reproduzierbar.
Strategie im GTM Engineering ist kein statisches Messaging-Dokument. Sie entwickelt sich kontinuierlich aus Experimenten, Feedback und Performance-Daten. Konkret zeigt sie sich in der bewussten Orchestrierung unterschiedlicher Kampagnentypen: Evergreen-Kampagnen für stabile Pipeline, Always-on-Kampagnen für kontinuierliche Präsenz, saisonale Kampagnen für Marktfenster sowie signal-basierte Kampagnen, die auf konkrete Trigger reagieren.
Entscheidend ist nicht die Anzahl der Kampagnen, sondern ihre Einbettung in eine klare Gesamtlogik.
Zwei Disziplinen, unterschiedliche Wirkungsebenen.
Marketing Operations fokussiert auf die Optimierung bestehender Kampagnen innerhalb definierter Tools. GTM Engineering arbeitet eine Ebene höher: Es designt die Systemarchitektur, die diese Prozesse erst ermöglicht. Der GTM Engineer verbindet Daten-Foundation, Modellierung und Aktivierung zu einem durchgängigen Revenue-System.
Acht Länder, acht unterschiedliche Marketing-Prozesse – vor dieser Situation steht Manpower. Die Folge: Uneinigkeit darüber, welche Leads Priorität haben, sowie erschwertes Benchmarking und Austausch über Best Practices.
Um internationale Vergleichbarkeit zu schaffen und Lernprozesse im Unternehmen anzuregen, will das nordeuropäische Marketing-Team um Projektleiterin Tina Hingston ein länderübergreifend konsistentes Lead Scoring und Reporting einführen. Dafür holt sie sich Unterstützung des Strategiepartners andweekly.
Von der herausfordernden und zeitaufwendigen Rekrutierung geeigneter Fachkräfte sind Unternehmen in vielen Branchen und Regionen betroffen. Das Ziel von Manpower ist es, dem Personalmangel weltweit mit innovativen Lösungen zu begegnen. Die ManpowerGroup mit Hauptsitz in den USA und Niederlassungen in rund 80 Ländern zählt zu den weltweit führenden Unternehmen in der Personalbranche.
Kerngeschäft ist die Vermittlung von Fachkräften aus zahlreichen Branchen an Unternehmen, die sich nicht mit zeitaufwendigen Rekrutierungsprozessen beschäftigen wollen. Darüber hinaus hilft Manpower, kurzfristige Personalengpässe zu überbrücken und Produktionsspitzen mit geeigneten Human Resources auf Zeit abzufedern. Zum Unternehmen gehören zahlreiche Tochterunternehmen – darunter auch der IT-Dienstleister Experis, den wir bereits bei seiner Marketing-Strategie unterstützt haben.

Die ManpowerGroup unterhält in jedem Land ein eigenes Marketing-Team, das individuelle Ansätze im Online-Marketing verfolgt. Zwar wurde HubSpot als All-in-one-Plattform für Marketing in den meisten Landesgesellschaften etabliert, doch das HubSpot-Knowhow und der hinterlegte Lead-Management-Prozess sind sehr unterschiedlich.
Das Problem bei Manpower: Die uneinheitlichen Marketing-Prozesse der Landesgesellschaften führen zu inkonsistenter Lead-Qualifizierung: Ein Lead, der in einer Landesgesellschaft als Sales Ready eingestuft wird, kann in einer anderen als Marketing Qualified Lead (MQL) eingestuft werden.
Daraus ergeben sich für Manpower folgende Herausforderungen:
Mangelnde Vergleichbarkeit. Unterschiedliche Definitionen und Prozesse machen es schwierig, die Leistung und Effektivität von Marketing-Aktivitäten zwischen verschiedenen Landesgesellschaften zu vergleichen. Ohne einheitliche Standards können sie Best Practices nicht identifizieren und erfolgreiche Strategien kaum replizieren.
Schwierigkeiten bei Zusammenarbeit und Kommunikation. Inkonsistente Definitionen führen immer wieder zu Missverständnissen und Fehlkommunikation zwischen Marketing- und Vertriebsteams, insbesondere wenn diese länderübergreifend zusammenarbeiten.
Verpasste Verkaufschancen. Unterschiedliche und nicht immer optimale Definitionen von MQLs und SQLs bewirken, dass Mitarbeitende bestimmte Leads unter- oder überschätzen. Falsche Prioritäten in der Lead-Bearbeitung kosten wiederum wertvolle Ressourcen.
Standardisierung der Marketing-Automatisierungsprozesse für eine nahtlose Customer Journey in den verschiedenen Manpower-Landesgesellschaften
Entwicklung homogener Dashboards auf globaler Ebene zur einheitlichen Erfassung, Analyse und Vergleich der Performances von Marketing-Kampagnen
Optimierung der CRM-Strategie durch Implementierung von Best Practices für Lead-Erfassung, -Qualifizierung, -Scoring und Reporting mithilfe des HubSpot Marketing Hub
Erzielung von Effizienzgewinnen durch Reduzierung von Inkonsistenzen zwischen den Landesgesellschaften
Erhöhung der Transparenz zwischen den Landesgesellschaften hinsichtlich Lead-Generierung, Lead-Qualität und Marketing-Performance zur Verbesserung der Entscheidungsfindung und Performance
Ein funktionierender GTM-Stack besteht aus vier integrierten Schichten. Sie bauen aufeinander auf:
Hier zeigt sich der entscheidende Punkt: Wirkung entsteht nicht durch einzelne Layer, sondern durch deren Integration. Isolierte KI-Tools ohne Daten-Foundation liefern keine Ergebnisse. Der kritische Erfolgsfaktor ist eine klare Datenfluss-Architektur mit definierten Übergabepunkten zwischen den Schichten.
Ein belastbarer Data Layer (Schicht 1) entsteht nicht durch den Kauf einer Datenbank, sondern durch klare Prinzipien der Datenlogik. In der Praxis haben sich fünf grundlegende Schritte bewährt:
GTM Engineering übersetzt diese Logik in automatisierte, reproduzierbare Systeme. Genau hier entsteht der Unterschied zwischen Datenbesitz und Datenwirkung.
MQLs messen Marketing-Aktivität. Nicht Business-Wirkung. Sie incentivieren Volumen statt Qualität und führen zu Fehlanreizen zwischen Marketing und Vertrieb. Revenue Operations verschiebt die Messung konsequent: von Lead-Volumen zu Pipeline Velocity, von Aktivität zu Revenue Attribution.
Die praktischen Metriken für GTM Engineering: Pipeline Generated, Sales Cycle Length, Win Rate by Source, Cost per Opportunity. Nicht Cost per Lead. Unternehmen mit integrierter Attribution über den gesamten Funnel berichten von deutlich besserer Forecast-Genauigkeit – und können den Beitrag einzelner Touchpoints zum Umsatz nachweisen.
Von Aktivitätsmessung zu Revenue-Attribution:
GenAI entfaltet im B2B den größten Impact bei Personalisierung „at Scale“. Nicht bei vollautomatisierter Kommunikation. Der strategische Einsatz von KI im B2B-Marketing erfordert klare Anwendungsfelder mit nachweisbarem ROI. Die drei KI-Anwendungsfelder mit nachgewiesenem ROI: Account Research und Anreicherung, personalisierte Messaging-Varianten, Prioritization und Scoring.
Die Ergebnisse sind konkret. RFP-Turnaround-Zeiten lassen sich um bis zu 20 % reduzieren. Pipeline-Wachstum von über 20 % ist durch KI-gestützte Lead-Generierung erreichbar.² Bei einem unserer Kunden buchen SDRs durch 80 % Automatisierung ihrer Workflows 4x mehr Meetings pro Monat.³
Der Intelligence Layer erfordert klare Regeln: für Datenqualität, Output-Validierung und Marken-Konsistenz. KI verstärkt menschliche Expertise. Ein SDR kann mit KI-Support deutlich mehr Accounts personalisiert ansprechen. Strategisches Denken und Kreativität ersetzt sie nicht.
Die meisten Unternehmen scheitern nicht an fehlenden Tools. Sie scheitern an mangelnder Integrationslogik. Ein orchestrierter GTM-Ansatz erfordert dennoch eine sequentielle Implementierung – die gleichzeitige Einführung aller Komponenten überfordert Organisationen.
Die empfohlene Sequenz: Zunächst das System of Record stabilisieren, HubSpot als Single Source of Truth etablieren. Dann den Data Layer aufbauen, Clay-Integration implementieren. Anschließend die Orchestration schrittweise automatisieren. Zuletzt den Intelligence Layer für spezifische Use Cases einführen.
GTM Engineering erfordert neue Rollen und Verantwortlichkeiten. Sales und Marketing brauchen gemeinsame Ownership für Pipeline-Metriken. Klare Governance-Regeln für Datenqualität, Automatisierungs-Trigger und KI-Output-Validierung verhindern die Skalierung von Fehlern. Der Wert liegt nicht in der neuesten Software. Er liegt in der durchdachten Integration bestehender Systeme.
Die Infrastruktur eines modernen GTM-Systems bildet die operative Basis für Skalierung. Sie umfasst Lead-Management, CRM-Workflows, Automatisierungen sowie die systematische Rückführung von Informationen aus Sales-Calls, E-Mail-Replies und Kundeninteraktionen.
Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl automatisierter Prozesse, sondern ihre Rolle innerhalb einer konsistenten Architektur. Infrastruktur im GTM Engineering sorgt dafür, dass Daten, Strategie und Ausführung nahtlos ineinandergreifen – und nicht parallel nebeneinander existieren.
RevOps fokussiert auf die Optimierung bestehender Revenue-Prozesse und die Abstimmung zwischen Marketing, Sales und Customer Success. GTM Engineering geht einen Schritt weiter: Es designt die technische Systemarchitektur, die diese Prozesse automatisiert und skalierbar macht. GTM Engineers bauen die Infrastruktur, auf der RevOps operiert.
Vor der Clay-Integration sollte HubSpot als Single Source of Truth etabliert sein: saubere Datenstrukturen, definierte Lifecycle-Stages, konsistente Naming-Conventions und klare Ownership-Regeln für Kontakte und Unternehmen. Ohne diese Foundation führt Datenanreicherung zu Duplikaten und Inkonsistenzen.
Die relevanten Metriken: Pipeline Generated (EUR), Pipeline Velocity, Win Rate by Source, Customer Acquisition Cost und Revenue per Account. Diese Kennzahlen machen den tatsächlichen Business-Impact sichtbar – im Gegensatz zu Aktivitätsmetriken wie MQLs oder E-Mail-Öffnungsraten.
Das hängt von der Unternehmensgröße ab. Mittelständische B2B-Unternehmen können mit einem technisch versierten Marketing-Operations-Manager starten, der systemisches Denken mitbringt. Ab einer gewissen Komplexität lohnt sich eine dedizierte Rolle, die zwischen Marketing, Sales und IT vermittelt und die Systemarchitektur verantwortet.
DSGVO-Konformität erfordert dokumentierte Rechtsgrundlagen für jede Datenanreicherung, transparente Prozesse und klare Löschfristen. B2B-Kontaktdaten im geschäftlichen Kontext fallen in der Regel unter das berechtigte Interesse. Sie erfordern aber Opt-out-Möglichkeiten und eine saubere Dokumentation der Datenherkunft.
GTM Engineering repräsentiert den Übergang von fragmentierten Marketing-Tools zu einem integrierten Revenue-System. Für B2B-Unternehmen im DACH-Raum bedeutet das: Der Wettbewerbsvorteil liegt nicht mehr im Zugang zu Technologie. HubSpot, Clay und KI-Tools stehen allen zur Verfügung. Der Vorteil liegt in der Fähigkeit, diese Komponenten zu einem funktionierenden System zu orchestrieren.
Die strategische Implikation für Entscheider: Investitionen in einzelne Tools ohne Architektur-Strategie produzieren Kosten. Keine Pipeline. Ein moderner GTM-Stack erfordert bewusste Design-Entscheidungen über Datenflüsse, Automatisierungslogik und KI-Governance.
GTM Engineering zwingt Unternehmen dazu, Go-to-Market ganzheitlich zu denken: saubere Daten als Fundament, eine klare Strategie als Steuerungsebene und eine belastbare Infrastruktur für die Ausführung. Fehlt eine dieser Säulen, bleibt der Stack fragmentiert – unabhängig davon, wie modern die eingesetzten Tools sind.
Die entscheidende Frage lautet nicht „Welches Tool fehlt uns?“ Sie lautet: „Wie verbinden wir das, was wir haben, zu einem System, das messbar Pipeline generiert?“
¹ McKinsey & Company (2025): Unlocking profitable B2B growth through gen AI
² Boston Consulting Group (2025): AI Was Made for RevOps: From Prediction to Execution
³ Clay (2025): The Rise of the GTM Engineer